Salon Bazart
Literarischer Salon: Der nächste


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13. Mai 2018: Lou Andreas-Salomé

SalomeLou Andreas-Salomé (1861 in St. Petersburg - 1937 in Göttingen) ist als die "berühmteste Unbekannte" unter den Frauen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts bezeichnet worden.
Zu Recht, von heute aus geurteilt. Berühmt ist sie durch ihre Beziehungen zum Philosophen, zum Dichter und zum Psychoanalytiker, die wohl heute als erste assoziiert werden, wenn ihr Name fällt: Nietzsche, Rilke, Freud.

Populärer als die Bücher von ihr sind heute die Bücher über sie, d.h. über ihren unorthodoxen Lebenswandel. 

Und dabei enthält ihr Werkverzeichnis 170 Titel! Die sind weitgehend in Vergessenheit geraten, daher ist sie als Schriftstellerin in der Tat heute eine Unbekannte. Zu ihren Lebzeiten erschienen ihre Essays, Erzählungen und Romane in mehreren Auflagen bei prominenten Verlagen. Die Spannweite ihrer Interessen lässt sich umreißen mit einigen ihrer Titel: "Im Kampf um Gott" (noch unter männlichem Pseudonym publiziert), "Ibsens Frauengestalten", "Friedrich Nietzsche in seinen Werken", "Die Erotik"; "In der Schule bei Freud. Tagebuch eines Jahres", "Rodinka. Russische Erinnerungen".

Heidi Gideon wird uns in diesem Salon die Unbekannte ein Stück näher bringen, von der Freud meinte, sie sei die "Dichterin der Psychoanalyse". An exemplarischen Beispielen aus Briefen an Rilke, Anna Freud und Sigmund Freud wird Heidi Gidion zudem einen Einblick in ihren Schreibstil geben, der je nach Adressat*in zeigt: Sie konnte immer auch anders.

Wir freuen uns, Heidi Gidion nach ihrem wunderbaren Vortrag über Jane Austen erneut im Salon zu hören.


9. September 2018: 200 Jahre Karl Marx / 170 Jahre "Das kommunistische Manifest"
Demnächst mehr Informationen.

16. Dezember 2018:
Literarischer Julkplap
Jede/r bring ein Buch mit, stellt es vor und geht mit einem anderen Nachhause.

27. Januar 2019: "Das Büro" von J. J. Voskuil

Das BüroGerd Busse und Wolfgang Schiffer stellen den Romanzyklus "Das Büro" von J. J. Voskuil im Gespräch vor und lesen daraus vor.

Der sieben Bände waren in den Niederlanden mit über 400.000 verkauften Exemplaren ein Riesenerfolg. Am Erstverkaufstag standen jeweils Schlangen vor den Buchläden. 

Das Erstaunliche: Voskuil schildert nichts anderes, als den ganz normalen Arbeitsalltag von 1957 bis 1989 im Institut zur Erforschung niederländischer Volkskultur in Amsterdam. Enno Stahl spricht im Deutschlandfunk von einer "grandiosen Saga der Arbeitswelt."

Gerd Busse hat den Romanzyklus für den Verbrecher Verlag übersetzt. Wolfgang Schiffer (bis zu seiner Pensionierung Hörspielchef beim WDR) hat sich vorgenommen, alle Bände (etwa 5.000 Seiten) zu lesen - (fast immer) an letzten Wochenden im Monat - Samstag um 11 Uhr und Sonntag um 17 Uhr im "KulturSalon Freiraum" im Gottesweg 116a in Köln (auf dem Foto).

Gerd Busse hat ein Dosier mit Leseproben aus allen sieben Bänden zusammengestellt [als PDF-Datei herunterladen].

Dirk Schümer in der FAZ: "Als Amerikaner wäre Voskuil für den Nobelpreis vorgeschlagen worden, aber als Amerikaner hätte er dieses abgründige, erschütternde und zugleich urkomische Opus magnum aus der Welt der Geisteswissenschaften eben auch nicht schreiben können."

Stefan Kister in der Süddeutschen: "Voskuils Roman ist eine Feldstudie des Büromenschen. Womöglich völlig überflüssig. Aber auf abgründige Weise unwiderstehlich."

Regina Stötzel in Neues Deutschland: "Voskuil (...) hat das Unmögliche geschafft, die Absurdität eines jahrzehntelangen gleichförmigen Alltags in einer Art Beamtensoap unglaublich komisch zu schildern."

Sabine Peters im Deutschlandfunk: "Die Schilderung eines völlig sinnfreien Büroalltags ist faszinierend und manchmal geradezu subversiv."

Rene Hausmann in der taz: "Man freut sich über die kleinen Beschreibungen der Figuren, die Zeichnungen, die genau sind, nie über das Ziel hinausschießend, die nie etwas anderes wollen als: erfassen."

Sabine Peters im Freitag: "Man findet hier einen staubtrockenen Humor, eine würgende Komik, eine Lust an Haarspaltereien und Spitzfindigkeiten - die Lesemühsal lohnt."

Sabine Vogel in der Frankfurter Rundschau: "Was diesen Roman über das Leben eines gewöhnlichen Menschen so tröstlich und anziehend macht, ist die Erkenntnis, dass man nicht allein ist in diesem alltäglichen Schwachsinn. Dass das Unglück normal ist."